Von der Bruchbude ...

Passauer Neue Presse vom 10.03.2015
von Thomas Haslböck

Von der Bruchbude zum Preisträger
Baufälliges Gebäude renoviert: Holzbaupreis für ein Haus in Vorderfirmiansreut

Aus einer Bruchbude den Bayerischen Holzbaupreis herauszuholen - Architekt Tom Frank aus München hat in Vorderfirmiansreut genau das geschafft. Bei seinem preisgekrönten Objekt handelt es sich um ein 150 Jahre altes Bauernhaus. Frank hatte das Gebäude in äußerst marodem Zustand gekauft - die Nachbarn warteten förmlich darauf, dass der Winter dem Häuschen den Rest geben und das Haus unter den Schneemassen zusammensacken werde.

Aber Frank ließ sich nicht beirren. „Die idyllische Lage direkt am Hang und der unverbaute Blick ins Tal - das hatte Potenzial“, meint er rückblickend. Als er sich dann an den Umbau machte, war für ihn eines klar: Der Charakter des Hauses muss gewahrt bleiben - auch wenn ein neuer Zweck hineingelegt wird.

So orientierte sich Frank beim Umbau vor allem an der „anonymen Baukultur“ der alten Waidler - die ohne Architekt und Plan einfach ihren Bedürfnissen folgend drauf loswerkten. Wichtig: Sie konnten dabei schlicht keine anderen Baumaterialien verwenden, als jene, die in der unmittelbaren Umgebung zu finden waren.

So verbaute auch der Architekt nur unbehandeltes Fichtenholz - außen, wie innen. Bald wird sich die Witterung daher in der Holzfärbung verewigen und das Haus so an die Farbtöne der Umgebung anpassen. „Es gibt nichts Lebendigeres, als ein Haus, das altert - wir werden alle grau und dadurch interessanter“, schmunzelt Tom Frank.

Auch wenn der Architekt den morschen Dachstuhl und den alten Stadel weggerissen hat, so versuchte er doch, dem Haus seine Seele zu lassen. Die Dachbalken zieren nun aufeinander gestapelt die Innenwände und der Stadel wurde neu und in Originalgröße wieder aufgebaut. Die ehemalige Tenne dient jetzt als Wintergarten mit großem Panoramafenster. So bringt die Mittelgebirgslandschaft Licht in die ursprünglich dunklen Gemäuer. Momentan allerdings ist das komplett sanierte Gebäude noch nicht bewohnt.

Während des gesamten Umbaus hat sich Tom Frank niemals Gedanken über das richtige Verhältnis von historischer Substanz und modernen Elementen gemacht: „Ich wollte mich bewusst nicht festlegen und hab einfach vor mich hingearbeitet.“ Für den Bayerischen Holzbaupreis hat sich der Architekt dann eher aus einer Laune heraus beworben. Ein Fotograf hatte sein Haus abgelichtet und ihm die Bilder zukommen lassen. „Ich fand die Fotos toll und hab mir gesagt: Komm, bewirb dich einfach mal“, erinnert sich Frank.

Dass er den Preis dann wirklich gewonnen hat, verwundert ihn selbst. Doch natürlich hat die Jury einen Grund angegeben: Beim Bauernhaus in Vorderfirmiansreut handle es sich um ein Gebäude, das im Hinblick auf den Umgang mit dem Kontext und mit dem Bestandsgebäude kaum angemessener sein könnte.