Underground zu European Playing

Hauszeitschrift des Bankhaus Reuschel, 29.01.2004
von Patrick Kessler

Das Bankhaus Reuschel begleitet den steilen Aufstieg des
Münchener Architekturbüros fpa von Beginn an

Es ist gerade einmal zwei Jahre her, da saßen Tom Frank und Tilman Probst mit ihren Laptops in einer dunklen und feuchten Waschküche und feilten an Plänen – an großen Plänen.

In diesem Raum im Münchener Westen – notdürftig umfunktioniert in ein kleines Büro. Aber diese Umgebung beeinträchtigte die Kreativität der jungen Architekten keineswegs. Ganz im Gegenteil: Im Rahmen eines EU-weiten offenen Wettbewerbs entwarfen Frank, 28, und Probst, 43, in nächtelanger Arbeit die Pläne für das Landhaus 2, das zukünftig als Büro- und Verwaltungsgebäude der Tiroler Landesregierung fungieren soll. Mit einem konzeptionell-städtebaulichen Ansatz hoben sich Frank und Probst deutlich von der internationalen Konkurrenz ab und gewannen den Wettbewerb gegen 50 Mitbewerber.

Doch es gab noch bessere Nachrichten: das durchaus gewagte Konzept überzeugte die Entscheidungsträger so sehr, dass Frank und Probst auch mit der Realisierung des 13.000 qm großen Gebäudes beauftragt wurden. Bauwerkskosten: 23,5 Mio. €. Den beiden Architekten, die zuvor in einem Münchener Architekturbüro tätig waren, dort aber nur noch begrenzte Zukunftsperspektiven sahen, bot der Großauftrag in Innsbruck nun auch die lang erhoffte Chance, sich endlich mit einem eigenen Büro selbständig zu machen.

„Als Architekt versucht man, sich auch künstlerisch zu verwirklichen. Daher unser Drang zur Selbständigkeit“, sagt Frank. „Wir haben lange auf unsere Chance gewartet, dann kam der Auftrag aus Innsbruck und wir konnten richtig loslegen.“, erinnern sich die Architekten an die Initialzündung, die das Projekt Landhaus 2 für ihr eigenes Architekturbüro lieferte. Mit der Unterstützung des Bankhauses Reuschel gründeten Frank und Probst dann Anfang 2002 ihr Büro fpa frank und probst architekten, das mittlerweile aus fünf Mitarbeitern besteht.

„Der 1. Preis, der Mut des Auftraggebers, junge Architekten mit der Planung zu beauftragen sowie der Kreditrahmen des Bankhauses Reuschel verbunden mit deren ausgesprochen persönlichen Betreuung haben uns den Schritt in die Selbständigkeit ermöglicht“, so Frank. Das Projekt Landhaus 2, so hoffen die beiden Architekten, soll nach seiner Fertigstellung im Frühjahr 2005 auch eine Signalwirkung auf potenzielle zukünftige Auftraggeber haben und das Architekturbüro weiter etablieren. Weiter bedeutet auch internationale Expansion. Denn aufgrund des schwierigen Wettbewerbswesens in Deutschland liegt ein wichtiges Augenmerk von fpa auf anderen europäischen Ländern wie Österreich. „Im Ausland, so zeige auch das Beispiel Innsbruck, sei der „European-Player“-Gedanke im Bereich Architektur vielerorts stärker ausgeprägt als in Deutschland“, sagen die beiden ambitionierten Architekten, „und das kommt uns sehr entgegen.“

Patrick Kessler
geschrieben für die Hauszeitschrift des Bankhauses Reuschel
Januar 2004