Ästhetik und Energieeffizienz

Sueddeutsche Zeitung, 21.02.2003
von Hans-Herbert Holzamer

Innsbruck: Mit dem Landhaus 2 entsteht ein preisgekröntes Verwaftungsgebäude, das einen hohen ökologisch-energetischen Anspruch erfüllt

Zur Beurteilung kommt das Projekt 1001: "Unattraktive innere Struktur und Erschließung. Energiekonzept wird angezweifelt - Das Projekt fliegt einstimmig aus der Wertung. Das Preisgericht tut sich nicht leicht: Es soll uber die Bebauung eines Schlüsselgeländes in lnnsbrucks Innenstadt entscheiden, zwischen der Heiliggeiststraße und der Salunerstraße gelegen, mit dem "Landeshaus 2", einem Büro- und Verwallungsgebaude für die Tiroler Landesregierung.
Zweierlei Anforderungen gilt es zu erfüllen: "Eine städtebaulich und architektonisch ansprechende Lösung einerseits und eine energetishh einfache und effiziente Versorgung andererseits" sind die Kriterien. Sdiließlich erscheint der Jury allein das Projekt 1039 eines ersten Preises würdig. Mit 9:0 Stimmen erhält es im Juli 2001 den Zuschlag. Anlang 2003 ist Baubeginn, mit ziemlicher Verspätung - man brauchte die Zeit, um sich doch für die "große", die ambitionierte Lösung zu entscheiden.

Hinter dem preisgekrönten Projekt verbirgt sich die Arbeit der Architekten fpa frank und probst architekten mit Walter Schwetz Architekt, einer Gemeinschaft aus München und Passau, und des Energie-Ingenieurs Tobias Schrag. Damit wird die Stadt Innsbruck bald nicht nur über dringend benötigten zusätzlichen Büroraum verfügen, sondern über eine Immobilie, mit Modellcharakter.

Zur klimatischen Versorgung eines Quadratmeters Bürofläche werden oft 500 Kilowatt jährlich verschwendet, Standard sind 100. "Wir kommen mit 30 aus" , sagt Tohias Schrag, Dezentral Bayern
heißt seine Firma, die sich mit Simulationen und Energieberatung befasst, entsprechende Energie- und Gebäudekonzepte erstellt
und eng mit den Technischen Universitäten In Mülnchen und Berlin zusammen arbeitet. "Gleichgültig, ob es sich um ein Wohnhaus, ein Gewerbe- oder ein Verwaltungsgebäude handelt", durch eine fachmännische Beratung könne man energiesparend und umweltschonend planen, ist Schrags Devise.

In Innsbruck kommt sein Konzept ohne technische Klimaanlage aus. Ein intelligentes Konzept aus passiven Maßnahmen und Kühlung mit Grundwasser schützt vor Überhitzung."Die Lösung wird durch den Bau selbst formuliert", sagt Schrag. Der bauliche Entwurf der Architekten arbeitet mit einer monolithischen Lochfassade, die von der Jury als "bautechnisch einfach und architektonisch sehr gekonnt" beschrieben wird.

Seinen individuellen Charakter aber erhalt der Entwurf von den vorgesehenen Atrien, dIe durch Passagen begehbar und ebenerdig einsehbar sind. "Eine transparente Struktur des Erdgeschosses", lobt die Jury. Dadurch wird nicht nur der blockartige Eindruck des Gebäudes aufgehoben, die Atrien sind zugleich auch Teil des Energiekonzeptes.

Denn sie ermöglichen einerseits den Einfall natürlichen Lichts ins Innere des Gebäudes, andererseits wirken sie als Temperaturpuffer, als "Klimahallen". Sie sind unbeheizt und werden nur durch
solare Gewinne und die Abwärme aus dem Gebäude erwärmt. Dadurch können sie auch ganzjährig bepflanzt werden. In einem heißen Sommer nimmt die freiliegende Betondecke die Überschusswärme tagsüber auf, nachts werden das Gebäude
und die Atrien natürlich und kühl von außen belültet. Was noch an Energie für die klimatische Versorgung benötigt wird, erldigt eine CO2-neulrale Holzschnitzelheizung, für "Leistungsspitzen" , die vermutlich selten anfallen, steht eine gasbetriebene Wärmepumpe parat. An der Praxistauglichkeit des Projektes 1039 gab es seitens der Jurymitglieder keine Zweifel, die Baustelle ist bereits ein Mekka fur Energiesparer.